Forum Alpbach:Young Carers im Focus
Viele Kinder und Jugendliche kümmern sich um ein krankes oder pflegebedürftiges Familienmitglied. Beim Europäischen Forum Alpbach wurde darüber gesprochen, wie diese jungen Menschen besser unterstützt werden können.
Am Mittwoch, 2. September, ging es beim European Forum Alpbach um die Frage: Wie können Young Carers unterstützt werden?
Bei der Veranstaltung der ERSTE Stiftung und der Initiative „Alles Clara“ diskutierten unter anderem Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann, die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung Anna Schwabegger, der Pflegewissenschaftler Martin Nagl-Cupal, die Geschäftsführerin von Alles Clara Nikole Traxler und Belinda Schneider, Leiterin von superhands bei den Johannitern.
Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann betonte, wie wichtig die Unterstützung für Familien ist und dass sie die nötige Unterstützung erhalten sollten, damit sie nicht länger Young Carer sein müssen:
„Familien leisten jeden Tag Enormes – und das gilt ganz besonders für jene, die Angehörige pflegen oder betreuen. Dafür möchte ich heute einfach Danke sagen. Was viele nicht wissen: Auch Kinder und Jugendliche übernehmen oft Verantwortung in ihren Familien. Diese Young Carers verdienen unsere Aufmerksamkeit, Anerkennung und Unterstützung.“
Die Ministerin verwies außerdem auf den Ausbau der mobilen Pflege: „Die mobile Pflege ist eine wichtige Säule im System, die auch wertvolle Unterstützung bei der Pflege und Betreuung zu Hause ist und Angehörige unterstützt. Mir ist aber auch wichtig, dass wir als Gesellschaft hinschauen, Betroffene nicht alleine lassen und gemeinsam daran arbeiten, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Denn Pflege geht uns alle an.“
Unterstützung für junge Pflegende
Auch Anna Schwabegger, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, machte auf die besondere Situation von Young Carers aufmerksam:
„Junge Menschen, die Verantwortung für die Pflege ihrer Angehörigen übernehmen, stehen unter einem hohen psychischen Druck und dürfen mit dieser Belastung nicht alleine gelassen werden.“
Sie fordert deshalb mehr Unterstützung: „Besonders wichtig ist daher der Ausbau kostenloser und niederschwelliger Therapieplätze. Gleichzeitig braucht es ein Umfeld, das Young Carers erkennt und gezielt unterstützt: Dafür müssen Vertrauenspersonen, etwa in Schulen oder Jugendorganisationen, für dieses Thema entsprechend sensibilisiert und strukturelle Unterstützungsangebote geschaffen werden.“
Auch der Pflegewissenschaftler Martin Nagl-Cupal von der Universität Wien sieht noch Handlungsbedarf. Er sagt:
„Wir wissen inzwischen, dass es Young Carers gibt. Die nächste Herausforderung ist, sie nicht nur sichtbar zu machen, sondern ihnen Anerkennung, Unterstützung und Mitbestimmung zu geben – und vor allem dafür zu sorgen, dass Kinder nicht dort Verantwortung übernehmen müssen, wo unser Versorgungssystem Lücken hat.“
Was ist superhands?
Genau hier setzt superhands an. Das Angebot der Johanniter richtet sich an Kinder und Jugendliche und junge Erwachsene, die sich um ein krankes, behindertes oder pflegebedürftiges Familienmitglied kümmern.
Belinda Schneider, Leiterin von superhands der Johanniter, sagt:
„Young Carers und ihre Familien brauchen flexible und niederschwellige Hilfe. Kein Kind sollte Schule, eigene Bedürfnisse oder Zukunftspläne zurückstellen müssen, weil ein Angehöriger pflegebedürftig ist.“




