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Die Diagnose stellte für uns alles auf den Kopf

Als Hanna fünf Jahre alt ist, erhält ihre Mutter die Diagnose Multiple Sklerose. Von einem Tag auf den anderen ändert sich ihr Leben schlagartig. Bald muss sie lernen, Verantwortung für sich und ihre Mutter zu übernehmen. Als Young Carer hätte sie sich damals aber nicht gesehen. Hanna möchte ihre Geschichte erzählen, um anderen Betroffenen Mut zu machen.

Was ist ein Young Carer und was bedeutet es, ein Young Carer zu sein? Antworten auf diese Fragen erhielt ich selbst erst sehr spät. Vor knapp eineinhalb Jahren. Mittlerweile bin ich bald 22 und war mir die meiste Zeit meines Lebens nicht bewusst, dass ich ein Young Carer bin. Das wurde mir erst klar, als ich zufällig während meines Studiums der Gesundheits- und Krankenpflege den Begriff „Young Carers“ aufschnappte. Im Laufe meines Studiums setzte ich mich immer intensiver mit diesem Thema auseinander und verfasste auch meine Bachelorarbeit dazu. So erkannte ich endlich, wer ich bin und warum ich genauso geworden bin, wie ich bin.

In meinem fünften Lebensjahr erhielt meine Mutter die Diagnose Multiple Sklerose. Meine Mutter war ebenfalls in der Gesundheits- und Krankenpflege tätig und von heute auf morgen stellte sich ihr Leben auf den Kopf. Mann, Gesundheit und Job, alles weg. Alles was ihr Leben ausgemacht hatte. Ihre Krankheit schritt relativ schnell voran, sodass sie einige Jahre später an den Rollstuhl gebunden und praktisch wie gelähmt war. Zu Beginn ihrer Krankheit, als sie noch mit Krücken gehen konnte, stürzte sie oft. Nicht selten bin ich von der Schule nach Hause gekommen und fand sie am Boden liegend vor. In der Schule und am Heimweg war ich schon voller Sorge und Angst, was mich zu Hause erwarten wird. Oft schämte ich mich auch für die Situation und hatte einfach nur den Wunsch, ein normales Leben zu führen. Ich beneidete meine Freunde und Freundinnen darum, dass sie Ausflüge machen oder mit der Familie essen gehen konnten. Kleinigkeiten, die andere oft gar nicht schätzen, aber für mich die Welt bedeutet hätten.

Die Pflege meiner Mutter hat mich ab meinem siebten Lebensjahr geprägt. Ab diesem Zeitpunkt war ich in vielen Bereichen auf mich allein gestellt. Ich musste mich mit Dingen auseinandersetzen, mit denen andere Gleichaltrige nicht in Berührung kamen. Für mich war die ganze Situation nicht nur belastend und angsteinflößend, sondern auch frustrierend. Ich fühlte mich oft innerlich zerrissen und von niemanden verstanden. Dies empfinde ich auch heute noch oft so. Keiner meiner Verwandten verstand meine Situation. Auch von Hilfsdiensten fühlte ich mich im Stich gelassen. Niemand fühlte sich zuständig oder fragte mich, wie es mir geht oder ob ich Unterstützung brauche. Erst seit meinem 15. Lebensjahr erhält meine Mutter eine persönliche Assistenz. Trotzdem bleiben noch immer sehr viele Aufgaben an mir hängen.

Ich selbst kämpfe immer noch mit den Auswirkungen dieser Zeit und habe vieles aufzuarbeiten. Erst in meiner heutigen Therapie wurde mir bewusst, was Kinder im Volksschulalter normalerweise machen. Sie beschäftigen sich nämlich nicht hauptsächlich mit Haushaltstätigkeiten und der Versorgung eines Familienmitglieds. Sie bereiten ihr Schulessen normalerweise nicht selbst zu und kämpfen auch nicht mit der Angst ihre Mutter zu verlieren. Für mich war das zu dieser Zeit Normalität. Heute weiß ich, dass Kinder in diesem Alter normalerweise unbekümmert mit Freunden oder Freundinnen spielen können.

Kinder und Jugendliche, die wie ich damals, früh große Verantwortung übernehmen müssen, werden in der eigenen, altersgerechten Entwicklung eingeschränkt. Leider gibt es auch viele Kinder, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, die aber nicht die Möglichkeit und den Zugang zu umfassenden Unterstützungsleistungen haben. Kinder, die im Verborgenen bleiben, allein mit ihren Ängsten und Sorgen umgehen müssen und durch das System rutschen. Daher möchte ich mich dafür einsetzen, dass andere Young Carer die Unterstützung und Zuwendung erhalten, die sie brauchen. Es ist wichtig, dass diese Kinder und Jugendlichen endlich von der Gesellschaft und ihrem Umfeld gesehen werden und Unterstützung bekommen.



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